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Bewusste Kommunikation in der Partnerschaft. Verbesserungstipps & Übung

Bewusste Kommunikation in der Partnerschaft.

Bewusste Kommunikation in der Partnerschaft. Verbesserungstipps & Übung

Für manche klingt es vielleicht lästig – dieses andauernde Kommunikationsthema zu allen möglichen Anlässen. An dieser Stelle möchte ich auch nicht auf all die bekannten Kommunikationstheorien eingehen und euch wichtige Standardregeln eintrichtern. Doch das Thema Kommunikation ist eine essentielle Basis unserer Beziehungen. Bewusste Kommunikation sollte grundsätzlich eine wichtige Rolle im Alltag einnehmen – gerade wenn (zukünftig) ein Kind bzw. mehrere Kinder involviert sind.

Starten wir trotzdem mit einem kleinen Theorie-Absatz. Viele kennen sicherlich den berühmten Satz von Paul Watzlawick: “Man kann nicht nicht kommunizieren”. Wir können also davon ausgehen, dass wir in jeder Situation kommunizieren. Sei es über Wörter oder auch über Körpersprache. Wenn ein*e Partner*in zum Beispiel mit dem Handy auf dem Sofa sitzt und wenig im Geschehen aktiv ist, nehmen wir das ebenfalls als Kommunikation wahr. Es kann verstanden werden, dass die Person müde ist. Oder dass es ihr nicht gut geht und sie in Ruhe gelassen werden möchte. Es kann ebenfalls das Gefühl beim Gegenüber auslösen, dass kein kein Interesse besteht oder sogar eine Unzufriedenheit da ist. Vielleicht wünscht sich der*ie Partner*in auch Aufmerksamkeit und geht dabei auf Rückzug? Die Möglichkeiten sind zahlreich. Vielleicht interpretierst du es beim Lesen sogar ganz anders oder wirst an eine Situation mit deinem*r Partner*in erinnert.

Kommunikation Partnershaft

Dieses Beispiel soll einmal verdeutlichen, wie wichtig eine zielführende und vor allem bewusste Kommunikation in Beziehungen ist. Wir kommen einfach nicht um diese Thematik herum, auch wenn es manchmal kurzfristig so erscheinen mag.

Während meiner Ausbildung zur Paartherapeutin haben wir besonders ein Thema umfangreich bearbeitet: Die Konstellationen in Beziehungen und ihre Auswirkungen auf die Kommunikation.

Wie kommuniziert ihr?

Paartherapeut Christian Hemschemeier konnte in seiner über zwanzig Jahre langen Arbeit folgende Paarkonstellationen feststellen: “Überaktivierte” Paare und “unteraktivierte” Paare. Überaktivierte Paare kommunizieren sehr viel, häufig aber zu viel, sodass sie übermäßig oft streiten, laut werden und wenig Ruhephasen in ihrer Beziehung erleben. Unteraktivierte Paare verhalten sich genau andersherum. Sie streiten so gut wie nie, schlucken jedoch viele Themen jahrelang herunter. Unteraktivierte Paare werden langfristig eher zu guten Kumpels und können nach außen hin sehr zufrieden wirken. Bis dann auf einmal der laute Knall kommt und plötzlich alles vorbei ist. Während unteraktivierte Paare nach einer gewissen Zeit häufig nur noch wenig bis gar keine Sexualität mehr leben, haben überaktivierte Paare in der Regel noch sehr regelmäßig Sex und fühlen sich bis zum Schluss zueinander hingezogen. Ein Grund dafür ist, dass überaktivierte Paare die Themen ansprechen. Dadurch wird Raum für anschließende Nähe geschaffen. Der Satz “Versöhnungssex ist der beste Sex”, ist daher gar nicht so falsch.

 Da unteraktivierte Paare ihre Angelegenheiten wenig oder gar nicht besprechen, wird der “Problemberg” zwischen beiden Partnern immer größer und höher. Man kann es sich bildlich ausmalen, dass entsprechend nur noch wenig Raum da ist, um sich wieder anzunähern. Vielleicht kennt ihr sogar Beziehungen, in denen man am Ende nicht einmal mehr mit der*m Partner*in kuscheln wollte, weil keine Anziehung mehr vorhanden war.

Grundsätzlich kann man sagen, dass überaktivierte Paare häufig leichter wieder zueinander finden. Der Schlüssel ist hier aus der endlosen Spirale der Diskussionen und Streits zu kommen, konstruktiver zu werden und sich weniger persönlich anzugreifen. Unteraktivierte Paare haben es meistens sehr schwer, die Freundschaftsbasis zu verlassen, Themen zu adressieren und sich langsam wieder anzunähern. Trotzdem ist es natürlich möglich.

Entsprechend der Konstellation, in der ihr euch als Paar vielleicht wiedergefunden habt, sollte euer langfristiges Ziel sein, die jeweils andere Seite wieder mehr zu entfachen. Überaktivierte Paare können versuchen, den Strudel etwas zu verlangsamen. Unteraktivierte Paare dürfen gern für etwas mehr Wind – ja sogar mal einen Sturm – sorgen.

Kommunikation Partnerschaft

Wenn (zukünftig) Kinder mit im Spiel sind, ist diese Aufgabe noch eine größere. Denn grundsätzlich habt ihr weniger Zeit als früher. Gleichzeitig sind die Konsequenzen der nicht aufgearbeiteten Themen häufig deutlich gravierender. Genau aus diesem Grund lautet der Titel “bewusste Kommunikation”. Meiner Erfahrung nach ist es enorm wichtig, dass (Eltern-) Paare sich regelmäßig Zeit nehmen, um bewusst zu kommunizieren.

Und das gilt sowohl für (eher) unteraktivierte als auch für (eher) überaktivierte Beziehungen.

Alles herunterzuschlucken mag vielleicht in einem Moment die Lösung suggerieren, die negativen Auswirkungen in der Zukunft sind jedoch verheerend. Frei nach dem Motto “viel hilft viel” sollten wir uns hier jedoch auch nicht bewegen. “Viel” ist vielleicht manchmal besser als “nie” aber ab einem gewissen Punkt kann zu viel Kommunikation ebenfalls negativ wirken. Langfristig zielführend ist die regelmäßige und bewusste Kommunikation.

Wie können wir also vorgehen?

Zuallererst: Jedes Paar sollte versuchen, seinen richtigen Weg zu finden. Ob alleine oder mit professioneller Hilfe. Tipps und Übungen helfen häufig im ersten Schritt weiter. Es spricht nichts dagegen, diese Vorschläge in veränderter Form umzusetzen oder Übungen für sich anzupassen. Nur wenn ihr einen Weg findet, der sich für euch bewährt, kommt ihr auch längerfristig wirklich weiter.

Im Folgenden stelle ich euch sowohl fünf generelle Tipps als auch eine konkrete Übung als Inspiration vor.

5 Tipps für eine bessere und bewusste Kommunikation:

1. Nehmt euch regelmäßig Zeit

…für das Besprechen akuter und aktueller Themen und Befindlichkeiten. Für die einen sind zwei Stunden die Woche optimal, für andere zwei Mal die Woche ein kürzerer Zeitraum. Wiederum andere kommen besser voran, wenn sie jeden Tag 20 Minuten sprechen. In akuten Phasen kann es durchaus Sinn machen, sowohl täglich kurz als auch wöchentlich länger zu sprechen. So kann das tägliche Gespräch für aktuelle Erlebnisse und Befindlichkeiten genutzt werden und der längere Zeitrahmen ermöglicht euch, tiefgehender in eure Themen einzusteigen.

2. Sucht euch einen angemessenen Ort und Rahmen für die Gespräche.

Es ist essentiell, neben dem Zeitrahmen auch den Ort bewusst zu wählen. Während der Autofahrt macht wenig Sinn, genauso wie auf dem Flur, bevor der Partner los muss. Auch das Bett sollte eigentlich mit Entspannung und Ruhe verbunden werden und eignet sich daher weniger für “Problemgespräche”. Entscheidet euch für einen angemessenen Ort (am Tisch, auf dem Sofa o.ä.) schaut euch an, eliminiert Störquellen und schafft einen guten Rahmen. Für viele ist zum Beispiel auch ein Spaziergang eine gute Möglichkeit, Themen zu besprechen.

3. Bereitet euch auf die Gespräche vor.

Gerade zu Beginn kann ich euch ans Herz legen, die Gespräche vorzubereiten. Hier wird es sehr helfen, sich über einige Tage hinweg aufkommenden Thematiken zu notieren und diese vor dem Gespräch noch einmal zu reflektieren:

Kontakt Bewusste Kommunikation
  • Was ist genau passiert? (“deine Kleider liegen dauernd herum”)
  • Was löst das in mir für ein Gefühl aus? (“ich bin frustriert”)
  • Was schließe ich daraus? (“es ist dir egal, was mir wichtig ist”)

4. Legt euch auf einen Ablauf des Gesprächs fest.

Es kann manchmal hilfreich sein, sich die Gespräche wie kleine professionelle “Meetings” vorzustellen.
Vielleicht klingt es für manche zu aufgebauscht; aber es geht darum, eine Struktur zu etablieren und langfristig Erfolge zu erzielen. Dafür legt optimaler Weise grundsätzlich einmal fest, wie ihr eure Gespräche gestalten wollt.
Im Aufbau längerer Gespräche sollte folgendes sichergestellt werden:

  • Ein klarer Start und ein klares Ende
  • Ausreichend Gesprächszeit für beide Partner
  • Zeit für Zusammenfassung und Festhalten (ggf. schriftlich) der besprochenen Themen und Einigungen.

Solltet ihr kurze tägliche Absprachen führen, kann eine Stoppuhr helfen: Jede/r hat zum Beispiel 10 Minuten für das Thema des Tages.

Wichtig bei festgelegten Abläufen ist erfahrungsgemäß, dass beide Partner sich dazu bereit erklären, das Einhalten der Zeit etc. im Blick zu behalten. Zudem ist es essentiell, das Vorgehen regelmäßig zu kontrollieren: Passt das so für uns? Kommen wir mit dem aktuellen Vorgehen tatsächlich weiter?

5. Sprecht eure Themen möglichst bewusst und zielführend an.

Auf Grundlage der individuellen Vorbereitung der Gespräche könnt ihr eure Punkte entsprechend der Schritte durchgehen:

Newsletter Bewusste Kommunikation
  • Was ist genau passiert? (“deine Kleider liegen herum”)
  • Was löst das in mir für ein Gefühl aus? (“ich bin frustriert”)
  • Was schließe ich daraus? (“es ist dir egal, was mir wichtig ist”)

Anhand dieser Struktur kann der/die PartnerIn direkt reagieren und sich entsprechend äußern.

Vergesst bei der Lösungsfindung die folgende Frage nicht:

  • Haben wir bereits ein ähnliches Problem gelöst und wie sind wir da vorgegangen?

Übt bewusst, konstruktiv zu kommunizieren. Dem einen oder anderen Paar könnte es helfen, sich im Allgemeinen individuelle Regeln zu überlegen (Handys auf Flugmodus, wir lassen uns ausreden, wir sprechen möglichst aus der “Ich-Perspektive”, gehen von unseren eigenen Gefühle aus, etc..)

Übungen

(Eher) überaktiviert:
Übung für Paare, die viel sprechen und mehr streiten

Solltet ihr an bestimmten Themen nicht weiter kommen oder Schwierigkeiten haben, aus dem Strudel der Streits und Diskussionen zu kommen, kann die folgende Übung helfen: Der Rollentausch.
Probiert es zunächst einmal in einer weniger kritischen Situation und tauscht komplett die Rollen. Versetzt euch in eure/n PartnerIn und nehmt die entsprechenden Themen für euch an. Ggf. hilft es, auch den Platz zu tauschen. Nun sprecht ihr weiter und sagt das, was der andere gesagt hat und empfindet. Sprecht dabei aus der “Ich-Perspektive” und setzt euch natürlich weiterhin zum Ziel, das Gespräch konstruktiv und nicht zu persönlich zu führen.

Paarübung

Dieser Tausch kann helfen, den Strudel einmal zu verlassen und die andere Seite besser zu verstehen. Falls ihr in einer Situation steckt, in der ihr bereits so aufgebracht und nicht mehr bereit für den Rollentausch seid, macht es Sinn, einmal Pause zu rufen, sich getrennt zurück zu ziehen und anschließend auf weniger heißem Boden neu zu starten.

Hemschemeier schlägt überaktivierten Paaren zum Beispiel auch vor, nur an bestimmten Orten zu streiten (im Bad) oder sich zeitliche Grenzen zu setzen – wir dürfen nur 30 Minuten streiten (Hemschemeier, 2019).

(Eher) unteraktiviert:
Übung für Paare, die weniger über die Beziehung sprechen

Solltet ihr Probleme haben, eure Themen richtig zu erkennen und Respekt davor haben, eure freundschaftliche Basis zu gefährden, kann folgende Übung helfen: Die gemeinsamen Freunde.

Stellt euch vor, ihr habt zwei gute Freunde, die euch sehr ähnlich sind und ebenfalls eine Partnerschaft führen. Überlegt euch Namen für die Freunde und malt euch ihr Leben aus, welche Hobbies sie haben etc. . Ihr kennt die beiden sehr gut und sprecht nun über deren Beziehung – vielleicht wie eine Art Puppenhaus, welches ihr von außen betrachtet. Das klingt vielleicht für den einen oder anderen etwas merkwürdig, kann aber sehr helfen, einmal anders in sich hineinzuhören und Schwierigkeiten auf neutralem Boden zu adressieren.

kommunikation in der partnerschaft

Nehmt nun die Rollen der Freunde ein – die Partnerin ist die Freundin, der Partner der Freund – und sprecht über deren Beziehung. Nutzt die dritte Person und schildert eurem/r PartnerIn, wie es eurer Freundin / eurem Freund gerade geht und was in deren Leben vor sich geht. Dabei sprecht ihr eigentlich über euch und schaut in “euer Puppenhaus” von außen. Versucht euch langsam heran zu tasten.

Zunächst spielt ihr “das Spiel” für 15 Minuten, drei Tage später vielleicht für 30 Minuten und so weiter. Schaut euch eure “Freunde” genau an und überlegt, was in ihnen wohl vorgehen mag, wo Schwierigkeiten sind und welche Lösungen ihr als gute Freunde vorschlagen würdet.

Viel Erfolg bei der Umsetzung und ganz wichtig: Gebt euch Zeit. Auch kleine Schritte in die richtige Richtung dürfen gefeiert werden. Jeder Schritt trägt zum großen Ganzen bei.

Falls ihr noch Fragen habt oder Hilfestellungen braucht, meldet euch gern bei mir.

Ihr wünscht euch noch weitere Tipps? Schaut gern auch in meinem Artikel “10 Tipps für weniger Stress und mehr Zufriedenheit in der Paarbeziehung”.

Quellenangabe: Hemschemeier (2019). Der Liebescode. Luther Verlag GmbH.

Posted in Beziehungstipps, Eltern, Elternpaare, Erstes Kind, Familienleben, Paarberatung, Paartherapie

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