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Finanzen in der (Eltern-) Partnerschaft

Finanzen in der (Eltern-) Partnerschaft

Über Geld sprechen und faire Lösungen als Paar finden.
Bleibt auf Augenhöhe, unabhängig von der jeweiligen Einkommenshöhe oder eurer Rolle in der Familie.

Wusstet ihr, dass Paare durchschnittlich über Finanzen noch weniger sprechen als über Sex? In Zahlen ausgedrückt, sprechen nur 42% offen über Finanzen, immerhin 62% über sexuelle Wünsche. Das ergab eine umfangreiche Studie von Elitepartner. Die Studie ergab auch, dass sich 10% der Paare regelmäßig über Geldthemen streiten. 14% der Männer und 12% der Frauen haben in einer Partnerschaft bereits Ausgaben verheimlicht oder heruntergespielt. 21% der Befragten (die zwischen 3 und 5 Jahren liiert sind) haben eine finanzielle Reserve, von der der*die Partner*in nichts weiß. Wenngleich mich diese Zahlen wenig überrascht haben, beunruhigen sie mich einmal mehr. Wie soll man auf einer derartigen Basis den gemeinsamen Weg – vor allem als Familie – langfristig zufrieden beschreiten?

Das Thema Geld und Finanzen spielt meistens bereits in der Kennenlernphase eine Rolle. Wer zahlt die Getränke? Wer wird eingeladen? Gibt es kleine Geschenke? Viele finanzielle Themen werden dann deutlich wichtiger, wenn sich eine Beziehung festigt und beide den Wunsch haben, ein gemeinsames Leben aufzubauen. Man fährt zusammen in den Urlaub, zieht zusammen und schmiedet weitere gemeinsame Pläne. 

Die Herausforderung, das Thema Geld anzusprechen, liegt häufig darin, dass Partner*innen das Gefühl bekommen können, das Konto würde über die Liebe gestellt. Aus diesem Grund schweigen viele lieber und behalten ihre Finanzen geheim. Doch wenn die erste Verliebtheitsphase abgeklungen ist, machen nicht wenig Paare erste unangenehme Erfahrungen hinsichtlich des Umgangs mit Geld. Plötzlich ist es da: Das Gefühl, sich gegenseitig weniger zu gönnen oder sogar Angst um finanzielle Freiheiten zu bekommen. Ergebnisse daraus sind beispielsweise gegenseitige Kontrolle oder Geiz. Vor allem zeigt sich oft eine zunehmend nachlassende Kommunikation hinsichtlich des gesamten finanziellen Lebensbereichs.

So findet ihr als Paar faire Lösung für eure Finanzen

Aus meiner Sicht sollten die Themen Geld, Gehälter und auch das Verhältnis zu Geld in einer Partnerschaft besprochen werden. Und das eigentlich allerspätestens dann, wenn die Partnerschaft ernst wird und man eine gemeinsame Zukunft aufbauen möchte. Fragen wie: “Wie viel verdient mein*e Partner*in? Was ist für uns wichtig? Was bedeutet “viel Geld” für uns überhaupt? Wie gehen wir mit gemeinsamen Anschaffungen um? Eröffnen wir ein gemeinsames Konto?” sollten zur Partnerschaft dazugehören.

Finanzexperten, viele Soziologen, sowie Paartherapeuten sagen, dass eine gute Lösung ein Konto für gemeinsame Ausgaben ist. Daneben sollte jede*r ein eigenes Konto für die persönliche Verwendung haben. Auf diese Weise kann ein Paar den Überblick über alle gemeinsamen Finanzen behalten. Gleichzeitig bewahrt sich jeder die Freiheit über persönliche Ausgaben

Außerdem wird der Charme erhalten: Man kann z.B. ein Geschenk machen, ohne dass der Preis verraten wird. Auch kann auf ein Date eingeladen werden. Für das gemeinsame Konto ist natürlich wichtig, dass jede*r einen Anteil einzahlt. Und zwar abhängig vom jeweiligen Gehalt.

Immer wieder höre ich von Menschen, die berichten, dass jeder die gleiche Summe eingezahlt hat, obwohl sich die Gehälter enorm unterscheiden. Am Ende bleiben dem einen 200 Euro und dem anderen 1000 Euro. Dadurch entwickeln sich häufig Gefühle, nicht gut genug zu sein, weniger Erfolg zu haben oder das fehlende Geld durch andere Gesten ausgleichen zu müssen. Viele fühlen sich auch schlecht, den*die Partner*in nie einladen zu können oder sogar um Geld für Urlaube etc. bitten zu müssen. Ganz abgesehen von den praktischen Auswirkungen auf den Alltag, wenn eine*r ständig jeden Cent umdrehen muss. 

Falls ihr das Thema noch nicht angegangen seid, kann ich euch nur raten, dies zu tun. Ihr erspart euch dadurch viel Stress und baut eine gute Sicherheit auf. 

Spätestens wenn ihr das erste Kind erwartet, sollte das Thema Geld und Finanzen auf den Tisch. Es MUSS darüber gesprochen werden. Wie oft höre ich von Müttern in Elternzeit, dass sie mit ihrem Elterngeld jetzt deutlich weniger zur Verfügung haben aber schon irgendwie zurecht kommen. Während der Vater selbstverständlich das volle Gehalt bezieht. Wie kann so etwas sein?

Bitte nehmt dieses Thema sehr ernst!

Ich möchte euch aufgrund der vielen Fragen und Erfahrungen einige Gründe aufzählen, warum es so wichtig ist:

  • Eine Partnerschaft ist eine Verbindung auf Augenhöhe. Diese sollte in jeder Lebensphase eingehalten werden. Beide Partner*innen sollten auf einer Ebene stehen und sich auch gleichwertig fühlen.
  • Da wir unseren Wert immer noch häufig an dem finanziellen Einkommen festmachen, muss dieser Gedanke deutlich werden. Die Problematiken müssen angesprochen und umfangreich bearbeitet werden.
  • Beide Partner*innen brauchen eine gewisse finanzielle Freiheit. Auf diese Weise kann jeder auch eigenständig für sich stehen. Egal, ob ganz allgemein oder während der Elternzeit.
  • Finanzielle Abhängigkeit sorgt oft für Einschränkungen in der Freiheit und Unabhängigkeit. Außerdem kann sich dieses Ungleichgewicht schnell auf andere Lebensbereiche ausweiten. Dazu leisten – bewusst und unbewusst – immer beide Partner ihren Anteil. Wenn es Phasen geben sollte, wo nur eine*r das finanzielle Einkommen erwirtschaftet, sollte ein Paar das Thema deshalb umfangreich besprechen. Bedenken müssen ausgesprochen, sowie Zeiträume festgehalten werden.

Finanzielle Fragen als (werdende) Eltern

Wie könnt ihr konkret vorgehen, wenn aufgrund des*der Kindes*r ein Einkommen sinkt oder komplett wegfällt?

Ihr solltet euch zusammensetzen und umfangreich darüber sprechen. Haltet schriftlich fest, wie die finanzielle Lage aussieht:

  • Wer verdient wie viel?
  • Wie hoch wird das Elterngeld sein?
  • Welche festen Ausgaben haben wir (Miete etc., Kredite, Auto usw.)?
  • Wie viel Kindergeld erhalten wir?
  • Wie lange wird die Elternzeit sein?
  • Welche Summe geben wir im Monat für die Familie aus?
  • Kommen weitere variable Kosten auf uns zu?
  • Wollen wir monatlich Geld sparen?
  • Muss die Altersvorsorge der Person in Elternzeit bedacht werden?
  • Gibt es weitere Aspekte bei uns?

1. Möglichkeit einer finanziellen Lösung als Familie

Ihr macht einen Strich unter die gesamte Rechnung und schaut, wie viel jeder, entsprechend des Einkommens, in die Familienkasse einzahlt. Der Rest steht jedem*r zur freien Verfügung. Für das eine Paar macht zum Beispiel eine monatliche Rechnung Sinn, andere können es langfristig berechnen.

2. Möglichkeit einer finanziellen Lösung als Familie

Wenn eine*r deutlich weniger verdienen sollte oder kein Einkommen hat, dann kann ich nur empfehlen, die Familienausgaben über die gesamten Einkünfte zu decken und die übrigbleibende Summe durch zwei zu teilen. 

Wichtig: Ihr als Paar trefft Entscheidungen gemeinsam

Wichtig ist folgendes: Ihr müsst euch beide darüber klar werden, dass IHR die Entscheidungen trefft. Wenn ihr entscheidet, dass die Mutter 18 Monate Zuhause bleibt, dann ist das eine ebenso herausfordernde (wenn nicht sogar zeitweise anstrengendere) Aufgabe wie der Job des Vaters. Daher gibt es absolut keinen Grund dafür, diese Tätigkeit nicht zu “entlohnen”. Mal ein kleines Rechenbeispiel: Würde man die Arbeit Zuhause einfach mal zum Spaß mit den Stunden der Gehalt beziehenden Person verrechnen, käme plötzlich ein ganz schön hoher Lohn heraus 😉

Was ihr beim Thema Geld unbedingt vermeiden solltet: 

  • Lügen: Wenn Lügen zum Einkommen, Schuldenbergen etc. plötzlich herauskommen, bringt das eigentlich fast immer die Beziehung zum Scheitern.
  • Nicht sprechen: Wenn ihr nicht zufrieden seid, Ängste oder Wünsche habt, sprecht darüber. Falls ihr Schwierigkeiten haben solltet, das Thema anzusprechen, könnt ihr auch einen monatlichen Austausch zu finanziellen Themen festhalten. Lasst das Thema einfach zur Routine werden.
  • Degradieren: Sprüche wie “hier hast du mal 50 Euro Taschengeld” oder “ich lade dich ein, sonst gehen wir ja nie essen”, können sehr tiefe Wunden hinterlassen. Heutzutage sollten wir alle wissen, dass viele Jobs und leider nach wie vor viele Frauen nicht fair bezahlt werden. Auch, dass die Arbeit der Mutter / des Vaters Zuhause wichtig und ebenfalls anstrengend ist, sollte allen klar werden. Lasst euch dieses spüren und zieht an einem Strang.

Ps: Mir ist an dieser Stelle noch sehr wichtig zu sagen, dass finanzielle Probleme, aufgrund von Krankheit oder Sucht (Alkoholsucht, Spielsucht, Kaufsucht etc.) hier nicht berücksichtigt werden. In einem solchen Fall solltet ihr auf jeden Fall professionelle Hilfe hinzuziehen. Eine Sucht ist fast immer auch mit Lügen und geheimen Schulden verbunden, die im schlimmsten Fall die gesamte Familie finanziell ruinieren können. Ganz abgesehen davon, dass der süchtigen Person geholfen werden muss.

Zusammenfassend ist es ein absolutes Zeichen von Vertrauen in der Partnerschaft, wenn ihr über Finanzen sprecht. Schafft euch dieses Vertrauen in euer Beziehung…

Die Themen rund um die Aufteilung der Rollen, Aufgaben & Verantwortlichkeiten (u.a. die finanziellen Aspekte) als Paar könnt ihr auch tiefgehender mit meiner Begleitung bearbeiten.

Schaut dafür gern direkt in mein Angebot:

Posted in Beziehungstipps, Eltern, Elternpaare, Elternzeit, Erstes Kind, Familienleben, Paarberatung

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